Highlight: Vlad III. Drăculea

Published on: January 27, 2015

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Vlad III. Drăculea soll dem irischen Schriftsteller Bram Stoker als Vorlage für seine Romanfigur, den Vampir Graf Dracula, aus dem 1897 veröffentlichten Roman Dracula gedient haben und ist dadurch zu zweifelhaftem Ruhm gelangt.

Zu Hunderttausenden pilgern die Touristen aus aller Welt in seine Festung, dem Schloss Bran südlich von Brasov, im Südwesten Transsilvaniens.

Dabei war Vlad III. weder ein Vampir, noch hat er wohl jemals dieses Schloss betreten. Er hat sich allerdings schon damals einen Namen als brutaler Herrscher der Walachei und listiger Kriegsherr gemacht. Nicht grundlos wurde er auch Vlad Țepeș (dt. Vlad der Pfähler) genannt.

1431 wurde Vlad III. als Sohn Vlad II. und der Prinzessin Cneajna in Sighișoara geboren, dem Ziel meiner zehnten Etappe. Das Titelbild dieses Posts zeigt das Geburtshaus, auch wenn es damals wohl eingeschossig war. Vlad II. war gerade als Fürst der Walachei abgesetzt worden und lebte im Siebenbürgischen Exil.

Geburtshaus Vlad III. Schloss Bran Schloss Bran

Vlad II. wurde in dieser Zeit in den Drachenorden aufgenommen, was ihm das Recht gab, den Beinamen Dracul zu tragen. Draculea heisst dann soviel wie Sohn des Drachen. Es gibt allerdings noch andere Deutungsmöglichkeiten seines Namens, die von Drag (lieb, kostbar) bis Dragul (der Teufel) reichen.

Als Faustpfand beim türkischen Sultan

1436 kehrte Vlad II. in die Walachei zurück, als Fürst unter Gnaden des deutsch-römischen Kaisers Sigismund. Nach dessen Tod 1437 schloss er allerdings ein Bündnis mit den Türken. Dabei überliess er seine beiden jüngeren Söhne, Vlad und Radu (der Schöne) dem türkischen Sultan als Faustpfand. Vlad III. kam mit dieser neuen Situation deutlich schlechter zurecht als sein älterer Bruder.

1447 änderte sich diese jedoch. Aufständischen töteten Vlad II. und blendeten seinen ältesten Sohn Mircea, bevor sie ihn lebendig begruben. Die Türken marschierten daraufhin in der Walachei ein, stürzten ihrerseits den neueingesetzten Herrscher Vladislav und setzten Vlad III. als Oberhaupt einer Marionettenregierung auf den Thron. Noch im selben Jahr musste er allerdings wieder fliehen.

Hauptregierungszeit 1456-62

Erst neun Jahre später, 1456, begann seine Hauptregierungszeit. Mittlerweile Berater am ungarischen Hof, entwickelte er sich mit der Zeit zum von Ungarn bevorzugten Aspiranten auf den walachischen Thron. Im Jahr 1456 gab man ihm eigene Truppen und er marschierte erfolgreich in der Walachei ein.

Der Hauptwohnsitz Vlad III. war nun der Palast in Târgoviște. Er nutzte die ersten Jahren seine Herrschaft zur Festigung seiner Macht und Position.  1459 ließ er abtrünnige bojarische Adlige und Kleriker festsetzen; die älteren wurden gepfählt und ihr Hab und Gut im Volk verteilt. Die übrigen wurden gezwungen, ca. 80 km nach Poienari zu marschieren, um die Burg Poenari neu zu errichten. Dies ist die Burg, an der ich auf der Abfahrt vom Bâlea Pass vorbeikommen werde.

Neben den Adligen im eigenen Land, überwarf sich Vlad III. auch sehr bald mit den Siebenbürger Sachsen und den Ungarn. Er führte Überfälle auf die siebenbürgischen Städte durch, während derer er 1459 zahlreiche Händler aus Kronstadt (heute Brașov) pfählen und etwa 300 von ihnen verbrennen ließ.

Vlad Țepeș, der Pfähler

Seit dem Tod von Vlads Großvater 1418 herrschten in der Walachei zeitweise „anarchische“ Zustände. Vlad setzte zur Wiederherstellung der Ordnung auf harte Maßnahmen. Während seiner Zeit als türkische Geisel hatte er das Pfählen kennengelernt, was auch in Europa zur Hinrichtung von Feinden und Kriminellen bekannt war. Vor den Städten verwesten oft die toten Körper auf ihren Pfählen als Abschreckung gegen Diebe, Lügner und Mörder.

Walachischen Überlieferungen zufolge sollen Verbrechen und Korruption durch Vlads Strenge schon bald nach seinem Regierungsantritt weitgehend verschwunden sein und Handel und Kultur wieder floriert haben. Viele Untertanen verehrten Vlad angeblich für sein unerbittliches Beharren auf Recht, Ehrlichkeit und Ordnung.

Der Sage nach stand am öffentlichen Brunnen auf dem Marktplatz von Târgoviște ein goldener Kelch zum Wasserschöpfen. Und niemand wagte es, ihn zu stehlen.

Historical Impalement in Romania, pictured in Chronicle Brodoc Vlad Tepes

Kämpfe gegen die Türken

Der wahre Feind Vlads waren allerdings die von ihm verhassten Türken. Als der Papst Pius II. 1460 zum erneuten Kreuzzig gegen die Osmanen aufrief, war Vlad III. der einzige europäische Herrscher, der diesem Aufruf folgte. Der Sultan Mehmed nutzte diese Unentschlossenheit zum Gegenangriff und konnte seinen Einflussbereich auf Bulgarien, Serbien und Griechenland ausweiten.

Die folgenden Jahre waren von ständigen Kämpfen gegen die Türken gekennzeichnet. Anfangs konnte Vlad noch mit seiner List und seinen treuen Truppen die überlegenen Truppen Mehmeds austricksen und ihnen schwere Verluste beibringen. Schliesslich zog Mehmed aber seine gesamten Truppen zusammen und ging gegen die Walachen vor. Dabei liess er sich beim Einmarsch in die walachische Hauptstadt Târgoviște nicht von einem Wald gepfählter Türken und bulgarischen Muslimen  einschüchtern.

Vlad hatte Târgoviște bereits verlassen und hinterliess eine leere Stadt. Die Türken erklärten sich als Sieger, zogen sich allerdings wieder zurück. Vlad blieb ein geschwächtes und zerstörtes Land. Schliesslich konnte sich Vlads älterer Bruder Radu, der zum Islam konvertiert war und dem Sultan nahe stand, mit den walachischen Adligen verbünden und Vlad vom Thron verdrängen.

Das war 1462. Vlad war gerade mal 31 Jahre alt. Er konnte nach Siebenbürgen fliehen und wurde vom ungarischen König für 12 Jahre auf der Burg Visegrád festgesetzt. Nach seiner Begnadigung schaffte er es sogar nochmal mit Unterstützung moldauischer und ungarischer Truppe die Türken aus der Walachei zu vertreiben.

Dritte Amtszeit und Tod im Winter 1476/77

Vlad bestieg zum dritten mal den walachischen Thron. Kurz nach dem Abzug der ungarischen und moldauischen Truppen wurde er aber im Dezember 1476 gestürzt und musste zusammen mit seiner moldauischen Leibgarde flüchten. Auf der Flucht oder bei kurz darauf folgenden Gefechten ist Vlad gefallen.

Sein Kopf soll, in Honig eingelegt, dem Sultan als Geschenk nach Konstantinopel gebracht und dort auf einer Stange aufgespießt zur Schau gestellt worden sein. Sein Leichnam soll im Kloster von Snagov beigesetzt und von dort später an einen unbekannten Ort verbracht worden sein.

(noch detailliertere Version auf Wikipedia)

Image Splash © Gabriela Avram, Image Geburtshaus © Guillaume Baviere, Image Bran 01 © Costas Tavernarakis, Image Bran 02 © Eric Borda. Weitere Bilder: Gemeinfrei / Public Domain.

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